Offener Brief – und jetzt?

Ziemlich genau einen Monat ist es her, dass wir über den Offenen Brief mit dem Verein in Kontakt traten und die Mängel/Einschränkungen auf der Westtribüne darlegten. Noch in derselben Woche sollte ein Gespräch stattfinden, in dem die Punkte des Offenen Briefes mehr oder minder ausführlich besprochen wurden. An dem Gespräch haben von der Vereinsseite aus teilgenommen: der Geschäftsführer (W. S.), die Leitung der Medien (W. P.), der Sicherheitsbeauftragte (J. B.), sowie drei unserer Fanbeauftragten. Somit waren die, von uns kritisierten, Bereiche der baulichen Gegebenheiten, der Sicherheit und Kommunikation durch Vereinsoffizielle abgedeckt. Doch was ist seitdem passiert?

Die Anzeigetafel:

Wie ihr wahrscheinlich schon bemerkt haben dürftet, hat die Anzeigetafel den Weg an den Rand des I-Blocks gefunden. Der vorherige Platz hat das ganze Fass erst zum Überlaufen gebracht. Die alternative Lösung, ist für uns mit Sicherheit nicht optimal, aber ein Entgegenkommen seitens des Vereins und ein Kompromiss, auf den wir uns mit den Vereinsoffiziellen einigen konnten. In dem Gespräch wurde uns das Stadionkonzept vorgestellt, das in Zukunft zwei Anzeigetafeln für die beiden Hintertortribünen vorsieht. Sollte die Westtribüne in Zukunft einen zweiten Rang, ähnlich wie die Osttribüne, bekommen, so wird auch die Anzeigetafel wieder in den Mittelbereich verschoben.

Das Problem mit den Werbebanden und der Zaunfahnenkonstruktion:

Hier gibt es leider weiterhin kein Einsehen. Die aktuelle Konstruktion wurde laut Geschäftsführung auf damaligen Wunsch der aktiven Fanszene vom Verein gebaut. Was hierbei leider völlig außer Acht gelassen wird, ist, dass es dank der hohen Werbebanden nie eine Alternative gab. Wunsch damals war sicherlich, dass die Zaunfahnen die Werbebanden überhängen dürfen, und nicht eine 80cm hohe Konstruktion, die das Sichtfeld weiter einschränkt. Die Diskussionen über die Zaunfahnenkonstruktion ist der Verein mittlerweile leid, weil man nicht alle paar Jahre, wenn es eine neue Gruppe gäbe, über Dinge verhandle, die bereits mit anderen ausgehandelt wurden. Eine ziemlich freche und überhebliche Aussage. Wenn jemand am Anfang eines Gesprächs vermittelt, dass man sich stets mit der Fanszene auseinandersetzten möchte, anschließend aber einem so die Tür vor den Kopf knallt, muss man sich über fehlende Glaubwürdigkeit nicht wundern. Das Thema war nach dem „Machtwort“ auch vom Tisch, ohne dass dies unsererseits kommentiert werden konnte.

Der Sicherheitsdienst:

Der martialisch auftretende Sicherheitsdienst ist eine Reaktion auf die Vorkommnisse vor dem Spiel gegen St. Pauli im September 2017. Die gewählten Uniformen, die bei vielen Besuchern des Stadions ein mulmiges Gefühl auslösten, sollen in Zukunft wieder abgelegt werden. Sinn hinter dem Sicherheitsdienst ist, dass dieser bei einer Eskalation im Stadion schnell eingreifen kann. Die Frage nach der Notwendig beantwortet das aber leider nicht. So verbrät Holstein bei Spielen gegen Augsburg oder Regensburg Geld für einen Sicherheitsdienst, der nicht benötigt wird, weil es nie Berührungspunkte mit den Fanszenen dieser Vereine gab.

Abschließend bleibt zu sagen, dass der Verein bereit ist, in gewissen Punkten einen Kompromiss zu schließen. Wir sind aber noch lange nicht am Ziel, nämlich an einem komplett fanszenenfreundlichem Block, angekommen. Das bedeutet, dass wir auch weiterhin nicht aufhören werden, unseren Mund aufzumachen, sollte uns etwas nicht passen. Das bedeutet, dass wir auch weiterhin für eine bunte Kurve kämpfen werden, die nicht nur akustisch, sondern auch optisch, hinter ihrem Verein und ihrer Mannschaft stehen wird!

Vier Ligen, vier Meister, vier Aufsteiger – Regionalliga Reform jetzt!

„Meister müssen aufsteigen!“ lautet die Forderung, die in den letzten Jahren regelmäßig in deutschen Stadien propagiert wurde, was deutlich zeigt, wie allgegenwärtig die Problematik rund um die Aufstiegsregelung der Regionalligen ist. Einhergehend mit der bislang letzten Reform 2012, wurde die zuvor dreigleisige Regionalliga fünfgleisig. Dies hatte zur Folge, dass die drei bestehenden Aufstiegsplätze in einer Relegationsrunde ausgespielt werden, bestehend aus den Meistern jeder Liga und dem Zweiten der mitgliederstärksten Regionalliga Südwest. In der Konsequenz wurde damit der Ertrag einer gesamten Saison von Hin- und Rückspiel in der Relegation abhängig gemacht. Ein solches Verfahren ist mit den Grundsätzen des Sports in keiner Weise vereinbar, ganz zu schweigen von den wirtschaftlichen, teils existenziellen Konsequenzen, die ein solcher Verbleib in der Regionalliga für die oftmals ohnehin schon klammen Vereine nach sich zieht.
Im Laufe der vergangenen Jahre kam auch bei immer mehr Funktionären langsam aber sicher die Einsicht, dass der Status quo nicht weiter hinnehmbar ist, sodass die Weichen für eine erneute Reform gestellt werden sollten.
Die Möglichkeit dies mit Inhalt zu füllen, wurde aufgrund von Eitelkeiten innerhalb der Verbände und diverser anderer Unzulänglichkeiten verpasst. Vielmehr gab es eine Übergangslösung, die dem Fairnesscharakter nicht im Ansatz gerecht wird und die Vereine teils sogar zu einem Wettrüsten animiert, bei dem die Vereine gezwungen sind, ein hohes finanzielles Risiko einzugehen. Eine vom DFB ins Leben gerufene „ad-hoc AG“ machte nur durch mangelnde Transparenz, fehlende Kommunikation Statements, die im Anschluss wieder revidiert wurden und durch ihre Auflösung mangels neuer Lösungsansätzen von sich reden.
Bereits zuvor hatte sich im Zuge des Zusammenschlusses „Fanszenen Deutschlands“ eine eigens für diese Thematik geschaffene Arbeitsgruppe eingefunden. Das erklärte Ziel war es, die Notwendigkeit einer Reform präsent zu halten und die damit verbundenen Probleme auszuwerten. Mit einem Fragebogen für Vereine und Fanszenen, sowie mit persönlichen Gesprächen, wurde versucht, eine mögliche Reform unter Betrachtung aller problematischen Gesichtspunkte zu evaluieren. Hieraus resultierend wurden Kernpunkte erarbeitet, die aus unserer Sicht für eine Regionalliga Reform unerlässlich sind, wenn man vermeiden will, sich in absehbarer Zeit mit einer erneuten Reform befassen zu müssen.

Die Kernpunkte und die Auswertungen der Fragebögen wurden der ad-hoc-AG des DFB in einem persönlichen Austausch offengelegt. Dieser Austausch ist als unzufriedenstellend zu bewerten, da immer wieder die Verantwortung von sich gewiesen wurde und auch die von uns gewonnenen Erkenntnisse nicht ausreichend weiterverwertet wurden.
Bis zum heutigen Tage liegt noch nicht ein einziger fundierter Reformvorschlag vor, vielmehr scheint es, als hätten sich die Fronten zwischen den Beteiligten weiter verhärtet und das sich gegenseitig ausgesprochene Vertrauen scheint erloschen.
Insbesondere die Rücknahme des Eingeständnisses eines weiteren Absteigers in Liga 3 zugunsten einer Reform mit vier Ligen und vier Aufsteigern ist eine mehr als deutliche Reaktion auf die stagnierenden Fortschritte.
Durch diese Entwicklung bestärkt, ist es uns ein Anliegen, nunmehr einen eigenen Reformvorschlag zur Debatte zu stellen. Dieser befasst sich neben der Kernproblematik „Aufstiegsregelung“ auch mit grundsätzlichen Problemen, wie fehlende ligaübergreifende Strukturen, der geografischen Aufteilung der Ligen und der Rolle von Zweitvertretungen innerhalb der Liga.

Wir hoffen, dass durch diesen Reformvorschlag nunmehr eine Grundlage gegeben ist, um sich endlich tiefgehend und ergebnisorientiert mit der Situation zu befassen. Die Regionalliga in ihrer Form als Schnittstelle zwischen Amateur- und Profifußball hat in den vergangenen Jahren an immer größerer Bedeutung gewonnen und sollte daher nicht weiter als Bühne für Unvermögen und Eitelkeiten der Funktionäre herhalten müssen. Viel eher sollte sie von Werten der sportlichen Fairness und Chancengleichheit geprägt sein. Daher fordern wir alle Beteiligten auf, persönliche Empfindlichkeiten hinter diesen Werten anzustellen und basierend auf diesem Reformvorschlag eine Lösung zu erarbeiten, in denen sich alle Beteiligten wiederfinden können.

Regionalliga Reformvorschlag