Moin Holstein-Fans,
zu Saisonbeginn haben wir dazu aufgerufen, mit Budenzauber den Caterer im Holstein-Stadion zu boykottieren. In den vergangenen Wochen ist etwas Bewegung in die Sache gekommen, weshalb wir euch an dieser Stelle eine Wasserstandsmeldung geben und ein wenig Druck vom Kessel nehmen möchten. Anfang Oktober haben wir einen Forderungskatalog aufgestellt, der festhielt, wie wir uns ein gutes, ökonomisch erschwinglicheres und inklusiveres Catering vorstellen würden. Einige Forderungen sind inzwischen umgesetzt. Der Zugang zu kostenlosem Trinkwasser in allen Stadionbereichen stand damals ganz oben auf unserer Agenda – seit dem vergangenen Heimspiel werden an den Ständen des Caterers Becher gegen Pfand herausgegeben, sodass eine Selbstversorgung mit Trinkwasser aus den Wasserhähnen nun dauerhaft möglich ist. Ebenfalls waren Spieltagsaktionen (z. B. Rabatte für Familien) Teil unseres Forderungskatalogs – auch hier hat sich etwas getan, und erste Probeläufe wurden bereits gestartet. Um eine nachhaltige und vor allem nachweisliche Qualitätssteigerung zu erreichen, wird es in der Rückrunde eine gemeinsame Aktion mit dem Verein geben, die das Ziel hat, Stadionbesucherinnen und -besucher aller Tribünen mittels Umfrage in den Prozess einzubinden. Hier fordern wir ein, dass der Verein den Caterer in die Pflicht nimmt, auf das Ergebnis der Umfrage angemessen zu reagieren, damit es nicht bei einem Prozess bleibt, der Mitbestimmung suggeriert, Worten jedoch keine Taten folgen lässt. Außerdem ist einerseits die Stadionordnung gelockert worden, sodass die Mitnahme von Tetrapaks in angemessener Größe beim Einlass ins Holstein-Stadion in allen Bereichen möglich ist. Andererseits wurde seit dem vergangenen Heimspiel eine alternative Wurst angeboten, die günstiger als die bisherige Variante verkauft wurde. Das alles sind Punkte, die uns zufriedenstellen. Nichtsdestotrotz muss man festhalten, dass eine generelle Anpassung des Preistableaus nicht erfolgt ist, was eine breite, sozialverträglichere Versorgung nicht gewährleistet. Der angewandten Argumentationslogik möchten wir an dieser Stelle erneut widersprechen. Ökonomische Errungenschaften wie ein krisenfester Lohn, der bekanntlich den Binnenmarkt stärkt – also etwa die Nachfrage am eigenen Stand anregt – als elementaren Faktor für die eigene Preiserhöhung zu nennen, ist nicht nur verkürzt, sondern erwiesenermaßen falsch. Als vollen Erfolg kann man den Boykott daher nicht bezeichnen. Wir haben Anpassungen im Bereich des Caterings erwirken können, die allen Holstein-Fans zugutekommen, unseren eigenen Ansprüchen an eine wirksame Kampagne sind wir aber teils hinterhergelaufen. Wir haben nicht unbedingt das erreicht, was wir wollten, aber das, was unter dem zuletzt noch bestehenden Druck machbar war – Druck, den wir benötigt haben, um unsere Forderungen wirksam nach außen zu vertreten. Dass die Dynamik im Boykott trotz anfänglich guter Beteiligung schnell abebbte, hat mehrere Gründe. Zum einen müssen wir leider konstatieren, dass der Großteil der Holstein-Fans nicht das Durchhaltevermögen besaß, sich dauerhaft an unserer Kampagne beteiligen zu wollen. Das lag auch an fehlenden Alternativen und einem breiten Angebot aus der Ultraszene. Zum anderen haben wir handwerkliche Fehler gemacht und den gesamten Prozess nicht angemessen kommuniziert. Die fehlende Transparenz gegenüber den Besucherinnen und Besuchern der Westtribüne über den jeweils aktuellen Status quo des Boykotts hat nicht selten Fragen aufgeworfen. Wir können und wollen den Boykott wie zuletzt geführt nicht weiter aufrecht erhalten. Ohne unser Ziel aus den Augen zu verlieren, wollen wir den bestehenden Konfliktlinien nicht weiter in diesem Abnutzungskampf Aufmerksamkeit schenken, und richten unseren Blick auf langfristige Besserungen, die nur in einem größeren Prozess gelingen, der auf beidseitiger Einverständnis beruht.
Compagno & New Connection