Stellungnahme zum Budenzauber-Interview mit Lars Farien

Vorwort
Das Thema „Budenzauber“ lässt uns keine Ruhe.
Aus dem durch die KN veröffentlichten und von Alexander Hahn geführten Interview trat Lars
Farien, Budenzauber-Chef, mit einem durchaus interessanten Interview an die Öffentlichkeit und
äußerte sich zum Boykott des Caterings im Holstein-Stadion.
Wir möchten hiermit zu diesem Interview, aufbauend auf alle bisher im „DuD“ und auf der Homepage
veröffentlichten Texte, Stellung beziehen und auf die vorgetragenen Talkingpoints genauer eingehen.
Hierfür sollen die vorgetragenen Argumente (Pro Preiserhöhung) und gegebenenfalls andere
relevante Positionen von Lars Farien herausgearbeitet werden, um diese inhaltlich zu prüfen und eine
Gegenposition zu skizzieren.
Vorab ist es uns wichtig, einige Prämissen zu formulieren: Wir sind uns dessen bewusst, dass unsere
KSV Holstein in einem von wirtschaftlicher und sportlicher Konkurrenz geprägten Raum agiert.
Sicherlich wäre es inkonsequent, wenn man in einem kapitalistischen, von Konkurrenz geprägten
System, ausschließlich einen Akteur anprangert und zu mehr sozialer Verträglichkeit auffordert.
Deswegen ist es uns wichtig zu betonen, dass sich diese Problematik der exorbitanten
Preiserhöhungen der Cateringfirma Budenzauber in einen deutlich größeren Kontext rund um unseren
Verein einreiht, welchen wir ebenso kritisieren, in der Vergangenheit kritisiert haben und auch in
Zukunft weiter kritisieren werden. Budenzauber fassen wir somit als ein Symptom der
angeprangerten Kommerzialisierungspirale im (leider) Produkt Fußball auf, wobei die Dreistigkeit
und Gier hierbei unübersehbar ist.
Wir halten außerdem fest, dass wir an einer Lösung bezüglich der horrenden Preise durch ein
dialogorientiertes Vorgehen aller Parteien interessiert sind. Der jetzige Zustand, Fußball ohne die
dazugehörige Verpflegung, kann kein Dauerzustand bleiben. Wir betrachten diesen Zustand jedoch
als notwendiges Übel und wollen uns bei allen bedanken, welche sich mit unserem Anliegen bisher
solidarisiert haben.
Auch wenn die im Interview vorgebrachten Argumente von Farien teils sehr oberflächlich, nahezu
ironisch anmuten, sodass man sie kaum ernst nehmen möchte, stammen sie tatsächlich aus dem am
05.11.2025 in den Kieler Nachrichten erschienen Interview. Doch gerade deshalb ist eine inhaltliche
Auseinandersetzung zwingend notwendig, teilweise weniger, weil die Argumente überzeugen
könnten, sondern weil sie aufschlussreich für die dahinter liegenden Denk- und
Rechtfertigungsmuster sind. Folgende Argumente und Talkingpoints führt Lars Farien im Kontext
der Preiserhöhung und des darauf folgenden Boykotts ins Feld:

1. „Die Lohnkosten sind gestiegen
2. „Andere Veranstaltungen sind noch teurer“
3. „Wir bieten Qualität und Nachhaltigkeit“
4. „Die Logistik im Stadion ist eine Herausforderung“
5. „Wir haben den Dialog gesucht“
6. „Es geht um Respekt“

1. „Die Lohnkosten sind gestiegen“
Lars Farien erklärt im Interview den Gastronomie-Mindestlohn in Schleswig-Holstein als den
maßgeblichen Indikator für die Preiserhöhung. Sinngemäß: „Der Gastronomie-Mindestlohn in
Schleswig-Holstein wurde auf 14,97€ angehoben, das entspricht rund 20% mehr Kosten, weswegen
wir die Preise anpassen mussten.“
Die größte Herausforderung, einem solchen Argument sachlich zu begegnen, liegt sicherlich darin,
sich zu entscheiden, wie man beginnt. Das offensichtlich Zuerst: Die rund 20% mehr Lohnkosten,
welche Farien hier anprangert, sind in Wirklichkeit 16,8%. Ob hier ein mathematischer Fehler
vorliegt oder bewusst großzügig aufgerundet wird, bleibt Farins Geheimnis. Auch wenn das
Argument der Vergleichbarkeit bei einer solchen Thematik wenig aufschlussreich ist, sich Farien
dennoch mit einer solchen Logik zu rechtfertigen versucht, lohnt ein Blick ins nicht weit entfernte
Bremen, ein Bundesland, welches mit 14,28€ einen ähnlichen Mindestlohn im Gastgewerbe
gesetzlich verankert hat. Der Lohn ist somit 4,61% niedriger als in SH. Die Stadionwurst kostet mit
4,30€ in Bremen jedoch 14,3% weniger, das Bier kostet pro Liter 12% weniger, was bedeutet, dass
bei ähnlichem Lohn die Preise merkbar niedriger sind.
Was soll diese Rechnerei? Natürlich ist uns bewusst, dass die Lohnkosten bei der Preisbildung nur
ein Puzzleteil sind, was das Argument von Farien ad absurdum führt.
Dem Sachverhalt geschuldet müssen wir, um das Fr Argument weiter zu entkräften, etwas tiefer in
das wirtschaftspolitische Metier einsteigen, ohne dabei einen Streit zwischen ökonomischen
Denkschulen entfachen zu wollen.
Die Lohnkosten allein sind nicht ausschlaggebend für eine Preiserhöhung, sondern ausschließlich
leere Phrasen. Dahinter steckt ein interessanter Mechanismus. Diesen kennt man aus der „AbEr DeR
MInDeStLOhN“-Debatte gut. Diese Argumentation folgt der klassischen Lohn-Preis-Spirale, die
immer dann bemüht wird, wenn soziale Verbesserungen (immerhin stellt die Lohnerhöhung auf 14,97€ für die Angestellten von Lars Farien eine soziale Errungenschaft dar) „drohen“, wodurch Profite
Gefahr laufen, minimal geschmälert zu werden. Dies offenbart die schonungslose Profitlogik, nach
welcher Budenzauber agiert, wofür alle Holsteinerinnen und Holsteiner tiefer in die Tasche greifen
müssen. Anstatt offen zu legen, wie sich die Preiskalkulation zusammensetzt, schwadroniert Farien von „massiv gestiegenen Lohnkosten“. Wenn er tatsächlich um Transparenz bemüht wäre, könnte er
die Zahlen offenlegen, denn es stehen folgende offene Fragen im Raum:
• Wie viel Prozent der Gesamtkosten macht Lohn aus?
• Wie viel Umsatz pro Heimspiel?
• Wie hoch ist die reale Gewinnmarge?
Solange diese Positionen Betriebsgeheimnis bleiben, ist sein Argument eine haltlose
Schutzbehauptung.
Hier sei ein kleiner Gedanke und kurzer Exkurs gestattet: Durch den Kauf der Arbeitskraft, welche
im Produktionsprozess mehr Wertschafft, als sie kostet, entsteht ein Mehrwert. Aus diesem Mehrwert
speist sich auch der Gewinn des Unternehmenden. Die Beschäftigten, welchen er die Verantwortung
überträgt und die durch die gestiegenen Löhne zum Sündenbock für die Preise macht, legen den
Grundstein für Fariens Geschäft, indem er ihnen weniger zahlt, als sie an Wert schaffen. Steigen nun
die Kosten für deren Arbeitskraft, wird der geschaffene Mehrwert kleiner. Um folglich einen
möglichst großen Profit zu generieren, bittet er nun die Holsteinerinnen und Holsteiner zur Kasse.
Dass der Preis angehoben wird, ist keine ökonomische Notwendigkeit, sondern eine bewusste
betriebliche Entscheidung, welche rücksichtslos auf Kosten der Verbrauchenden, in diesem Fall aller
Holsteinerinnen und Holsteiner, getroffen wird.
Nach diesen theoretischen Ausführungen, welche verdeutlichen sollten, dass Farien als
Unternehmender primär daran gelegen ist, maximalen Profit zu generieren, kann eventuell etwas
oberflächlicher die Absurdität dieses Arguments verdeutlicht werden. Man neigt dazu, dem „AbEr
DeR MInDeSTLoHn“-Argument zugespitzt auf ähnlichem Niveau zu begegnen: Dann schenk das
Bier halt selbst aus, niemand zwingt dich, Leute anzustellen.
Außerdem verlangt Farien durch seine Formulierung eine Art Perspektivwechsel. Dies mag rein
theoretisch wohl möglich sein, jedoch holt einen die Realität jedes zweite Wochenende wieder ein.
Der Großteil der Holsteinerinnen und Holsteiner ist eben kein Budenzauber-Chef und sieht sich als
Nachfragende mit den hohen Preisen konfrontiert. In diesem Moment spielt es eine untergeordnete
Rolle, ob man den Anbieter eventuell versteht oder nicht. Wenn die Preise im Holstein-Stadion zu
hoch sind, sind sie eben zu hoch, so trivial das auch klingen mag.
Man kann es drehen und wenden wie man will, im Endeffekt zahlt man im Holstein-Stadion für eine
Cola Zero mehr als im San Siro bei Inter Mailand.

2. „Andere Veranstaltungen sind noch teurer“
Das zweite Argument, womit Farien die Liga-Spitzenpreise zu rechtfertigen versucht, ist, dass andere
Veranstaltungen noch teurer sind. Ja genau, das meint er wirklich ernst. Auch wenn die
Argumentation der eines bockigen Sechstklässlers gleicht, der mehr Playstation spielen will, weil es
seine Klassenkameraden auch dürfen, lässt sich hierzu einiges sagen. Konkreter sagt Farien sinngemäß: „Auf der Kieler Woche oder bei Konzerten sind Bier und Wurst teurer, also sind unsere
Preise fair.“
Farien verwechselt Vergleichbarkeit mit Legitimität. Inwiefern überhaupt Fußballspiele von Holstein
Kiel mit öffentlichen Veranstaltungen wie der Kieler Woche (bei der man größtenteils selber
Getränke und Speisen mitnehmen kann und somit nicht zwingend auf überteuerte Cateringfirmen
angewiesen ist, welche sich moralisch auf der richtigen Seite wiegen) vergleichbar sind, bleibt offen.
Dass die Vergleichbarkeit nicht bedeutet, dass es „fair“ ist, lässt sich an einem extremeren Beispiel
verdeutlichen. Wenn auf der Kieler Woche 15€ für ein Bier oder bei einem Konzert 50€ für eine
Eintrittskarte verlangt werden, wäre dies Fariens Logik zur Folge auch legitim, im Holstein-Stadion
ähnliche Preise zu verlangen. Durch den Verweis auf schlimmere Beispiele wird die eigene Abzocke
nicht weniger moralisch verwerflich.
Ich glaube, dass für jede lesende Person die Absurdität und Lächerlichkeit eines solchen Arguments
unübersehbar ist, weswegen wir von einer weiteren Auseinandersetzung absehen. Wer solche
Argumente in einem inhaltlichen Austausch anführt, diskreditiert sich selbst. Was sich aus dieser
Denkweise jedoch gut ableiten lässt, sind die konträren Ansichten bezüglich unserer KSV. Für Farien
ist es eben ein großes Event, eine Veranstaltung, wie die Kieler Woche oder ein Konzert. Ein Großteil
der Holsteinerinnen und Holsteiner begreift die Heimspiele unserer KSV Holstein nicht als reine
Eventkultur, sondern als kollektive Routine, ein Gemeinschaftserlebnis. Die KSV Holstein ist für
viele Menschen aller Gesellschaftsschichten ein Gemeinschaftsgefühl, Ablenkung, Zuflucht,
Leidenschaft, Freunde treffen, Zusammenhalt und Spaß.

3. „Wir bieten Qualität und Nachhaltigkeit“
Farien sagt sinngemäß: „Wir setzen auf nachhaltige Mehrwegbecher, eine eigene Stadionwurst mit
120 g Gewicht und Qualitätskontrollen.“
Dass in Stadien der 2. Bundesliga vorgehen wird, auf Nachhaltigkeit und Qualität zu setzen, ist kein
exklusiver Ansatz aus Kiel. In sämtlichen Stadien, auch in jenen, welche deutlich niedrigere Preise
als Budenzauber verlangen, verfügen über nachhaltige Mehrwegbecher. Ein Mehrwegbechersystem
ist Standard und keine Wohltätigkeit von Lars Farien, insbesondere nicht, wenn die Fans hierfür die
Kosten übernehmen. Das Argument führt insofern am Punkt vorbei, dass das Problem nicht ist, was
verkauft wird, sondern zu welchem Preis. Auch hier lässt sich beobachten, wie Lars Farien bewusst
versucht, die Preiserhöhungen durch billige PR-Aktionen zu rechtfertigen. Auch in diesem Argument
lässt sich keine stichhaltige Begründung für einen derartigen Preisanstieg nachweisen. Zum
Argument der Qualität. Lars Farien beschreibt ungewollt die Qualität der Speisen und Getränke selbst
zutreffend. „Wir müssen darauf achten, dass das Bier nicht ausläuft und die Wurst nicht verbrannt ist.
Da haben wir Nachholbedarf.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

4. „Die Logistik im Stadion ist schwierig“
Farien sagt sinngemäß, dass durch die Abwesenheit von Aufzügen, Abladestationen und durch die
langen Wege ein hoher Bedarf an Personal bestehe, was letztendlich deckungsgleich mit dem
Lohnkostenargument ist. Dennoch merken wir hier gerne an, dass die Bedingungen seit Jahren gleich
sind und keine großen infrastrukturellen Veränderungen in jüngerer Vergangenheit vorgenommen
wurden. Diese aus betriebswirtschaftlicher Sicht möglicherweise mangelhaften infrastrukturellen
Bedingungen sind bereits vor der neuen Welle der Preiserhöhungen eingepreist gewesen und somit
definitiv kein Argument für die aktuelle Preiserhöhung. Es ist strikt abzulehnen, dass für das eigene
Managementversagen und die daraus resultierende „komplizierte“ Logistik letztendlich der gemeine
Holstein-Fan erneut zur Kasse gebeten wird. Wenn Farien ernsthaft darüber klagt, wortwörtlich: „Wir
müssen die Fässer per Hand die Treppen hochtragen“, kommt man fast zu dem Entschluss, dass sich
die Angestellten die 14,97€/Stunde verdient hätten, was Farien sicherlich kaum in den finanziellen
Ruin treibt. Ob Farien nun selber händisch die Fässer die Treppen hochträgt, ist sicherlich nicht mehr
als haltlose Selbstinszenierung.

5. „Wir haben den Dialog gesucht“
Lars Farien lässt es sich nicht entgehen, sich in dem Interview als den dialogorientierten,
sympathischen Unternehmenden zu profilieren, welcher von den bösen Holstein-Fans zu Unrecht
kritisiert wird. Er betont, dass er selbst immer zu einem Dialog bereit gewesen sei. Zwangsläufig
kommt bei uns die Frage auf, wie so ein Dialog eigentlich ablaufen soll, wenn im gleichen Interview,
nur wenige Zeilen später stolz verkündet wird: „Ich kann und werde die Preise nicht zurückdrehen“.
Hier offenbart sich ganz offen, was sich Farien unter einem Dialog mit den Fans auf Augenhöhe
vorstellt. Ein guter Jurist würde nun sicherlich sagen, es ist taktisch klug, mit einer Maximalforderung
in Verhandlungen zu gehen, jedoch ist das Holstein-Stadion und dieser Konflikt kein Gericht oder
derartiges. Solche Aussagen konstatieren lediglich, dass Farien nicht verstanden hat, worum es uns
geht und womit er es zu tun hat. Farien rühmt sich damit, den wirklich horrenden Preis von 4€ für
0,4 l Wasser um 50 ct „reduziert“ zu haben. Wer durch massiven öffentlichen Druck bereits vor der
Saison dazu gezwungen wird, eine Preiskorrektur vorzunehmen, handelt nicht, weil er besonders
entgegenkommend oder dialogbereit ist, sondern aus reiner Symbolpolitik.
Auch wenn solche Aussagen und Aktionen medienwirksam sein mögen, fällt diese Fassade vor dem
Hintergrund des Folgenden schnell in sich zusammen: Vor der Saison fand auf Initiative des Block
501 zwischen Vertretern des Block 501 und Lars Farien ein Gespräch statt, bei welchem Lars Farien
aufgrund der geäußerten Kritik in Aussicht stellte seine Preispolitik zu überdenken. Dies revidierte er aus fadenscheinigen Gründen jedoch bereits am nächsten Tag per Mail. Zu einem späteren
Zeitpunkt im August 2025 gab es von uns aus den Versuch über den Verein, welcher eine
Vermittlerrolle einnehmen sollte, an Budenzauber heranzukommen, um ein weiteres Treffen
organisieren zu können. Leider vergebens. Nach weiteren Versuchen, sämtlichen Spruchbändern,
Veröffentlichungen im Kurvenmagazin DuD und auf den Websites des Block 501 und von Compagno
Ultras entscheid sich Lars Farien nun für den Weg über die KN. Dieses Vorgehen zeugt nicht von
echter Dialogbereitschaft sondern von einem PR-getriebenen „Whitewashing“-Versuch. Wir
verstehen Dialog als Partizipation, als sich auf Augenhöhe begegnen und als mehr als für die
Öffentlichkeit bestimmte Imagepflege und Symbolpolitik. Wir wiederholen gerne, wir sind jederzeit
zu Gesprächen bereit.
Richtig kurios wird es, als Farien, getreu der sozialen Imagepflege, einen Beleg für seine Dialog- und
Kompromissbereitschaft anführt. „Als wir gehört haben, dass Menschen mit Behinderungen wie zum
Beispiel Autismus kein Sprudelwasser vertragen könnten, haben wir sofort stilles Wasser in unser
Sortiment an den Containern aufgenommen.“
a) Autismus ist nicht per se eine Behinderung.
b) Vielen Dank, dass Menschen mit Unverträglichkeiten jetzt ebenfalls Wasser trinken dürfen, für
denselben horrenden Preis.

6. „Es geht um Respekt“
Aufbauend auf die vorausgegangene Inszenierung als dialogorientierter Unternehmender setzt Farien
noch einen drauf. Während er sich selbst in völliger Unschuld wiegt, ganz ungeachtet dessen, was
seine Preispolitik für soziale Folgen hat, bringt er selbstbewusst zum Ausdruck, dass er das gezielte
Mobilisieren gegen Budenzauber sehr bedauerlich findet. Er kritisiert, dass Mitarbeitende beschimpft
werden und berichtet selbst von unschönen Aufeinandertreffen, betont aber hierbei heroisch, dass
ihm das selbst nichts ausmache.
Leider ist es üblich, dass Protest, gegen wen oder was auch immer, verunglimpft, diskreditiert und
damit letztendlich auch delegitimiert wird. Wer Preise rücksichtslos erhöht, die Kieler
Zuschauerschaft ökonomisch selektiert und als auszupressende Konsummasse betrachtet, den Dialog
verweigert und Kritik moralisch diskreditiert, zeigt seinerseits Respektlosigkeit gegenüber der Kieler
Zuschauerschaft und sollte nicht von Respekt schwadronieren.
Wir stellen klar, dass sich unser Boykott, der seine Motivation in der skrupellosen Preispolitik
Budenzaubers findet, nicht gegen die Angestellten richtet und bedauern, wenn es derartige
Wortgefechte zwischen Fans und Angestellten gegeben hat. Wir stellen ebenso klar: Wer sich aktiv
dem Boykott widersetzt, indem er Protestplakate zerstört, Plastikbecher oder ähnliche Utensilien
stiehlt und proaktiv die Konfrontation mit uns sucht, wird diese finden, mitsamt aller Konsequenzen.

Über Budenzauber hinaus: Eine Perspektive
Wir wissen, dass Preise für Energie, Lebensmittel und Löhne in den letzten Jahren aufgrund diverser
Faktoren gestiegen sind, diese Realität macht auch vor dem Fußball nicht halt. Doch die Art, wie
diese Kosten weitergegeben werden, spricht eine deutlichere Sprache: Es geht um Profitmaximierung
um jeden Preis. Budenzauber ist hierbei kein Ausreißer, sondern ein Symptom eines Systems, das
den Fußball vollends in ein Marktprodukt verwandelt hat.
Wenn Lars Farien sagt, er sei „kein Fußballfan, sondern Dienstleister“, dann ist das entlarvend ehrlich
und zugleich ein Beweis dafür, wie tief der Fußball in ökonomische Logiken verstrickt ist. Fans
werden zu Kundschaft, Vereine zu Brands und der Stadionbesuch perspektivisch zum Luxusgut.
Diese Entwicklung macht über Budenzauber hinaus auch vor unserer KSV Holstein keinen Halt.
Holstein Kiel genießt seit langer Zeit den Ruf des authentischen, offenen, bodenständigen Vereins,
der trotz des enormen sportlichen Aufschwungs der letzten zehn Jahre seinen Charakter und die
regionale Verwurzelung bewahrt hat. Natürlich finden bei einem solchen Aufschwung auch
Professionalisierungsprozesse statt, und selbstverständlich ist auch uns bewusst, dass Holstein Kiel
in einem Raum agiert, der von Konkurrenz und einer Kommerzialisierungsspirale geprägt ist und
somit auch gewisse Veränderungen notwendig sind. Dennoch lässt sich immer wieder feststellen,
dass unsere KSV Holstein gerade in der Öffentlichkeit, gerade im Vergleich zu anderen größeren
Vereinen, mit diesen Werten und Eigenschaften Sympathiepunkte sammelt. Sei es durch Interviews,
in denen Spielerinnen und Spieler betonen, wie authentisch das Stadionerlebnis ist, „bei dem es noch
nach Bratwurst und Bier riecht“, oder das Thematisieren der urigen Umkleidekabinen.
Im Interview mit dem NDR im Jahr 2024 lässt es sich Steffen Schneekloth nicht nehmen, zu betonen,
dass Holstein Kiel darüber hinaus für „Toleranz, Offenheit und Respekt“ steht. Ebenfalls betonte
Schneekloth auf der 125-Jahre-DFB-Feier, an der auch gestandene Funktionäre wie Gianni Infantino
und Aleksander Čeferin teilnahmen, wie wichtig das Band zwischen Fußball und Fans sei: „Bei dem
bodenständigen Festakt ging es nicht darum, den deutschen Fußball pompös zu feiern, sondern die
Nähe zu den Mitgliedern zu betonen.“ Gegenüber der Selbstinszenierung eines Steffen Schneekloths,
der sich vor lauter Fannähe, Toleranz und Bodenständigkeit kaum retten kann, offenbart sich in den
letzten Jahren leider ein anderes Gesicht der KSV Holstein, was im markanten Widerspruch zur
bisherigen Darstellung steht, weswegen es wichtig ist, sich dies vor Augen zu führen, um sich nicht
vollends von Schneekloth & Co.s Worten geleitet in der Fußballromantik der KSV Holstein zu
verlieren.
Größeres Aufsehen erlangte in jüngerer Vergangenheit die Debatte über eine Werbebande vor der
West. Neben den unzähligen Werbebanden, die bereits existieren am Stadiondach, an den
Flutlichtmasten, diverse Reihen auf dem Rasen neben dem Platz, in den Tribünen etc., hielt es die Vereinsführung für notwendig, eine weitere Werbebande zu installieren, die die Westkurve optisch
massiv beeinträchtigt hätte und die Priorisierung monetärer Interessen gegenüber gelebter Fankultur
zum Ausdruck brachte. Die Vereinsführung und die aktive Fanszene kamen nicht zuletzt aufgrund
der ignoranten Vorgehensweise und mangelhaften Kommunikation seitens der Vereinsführung zu
keinem Ergebnis, weswegen die Debatte darin gipfelte, dass ein Dutzend vermummter Personen sich
gezwungen sah, selbst Hand anzulegen und die Werbebande praktisch wie symbolisch eigenhändig
abzuschalten.
Ein weiteres Symptom der haltlosen Gier: die Vermarktung eines Baustellentrikots, das
ironischerweise abbildete, dass eine Zeit lang auf einer Baustelle gespielt wurde, was in weiß-orange
die Perversion profitgetriebenen Marketings verkörperte. Dies waren nicht die ersten, aber vor allem
gut sichtbaren Warnsignale, in welche Richtung sich die KSV Holstein bewegt. Neben der nahezu
völligen Vernachlässigung der Holstein Women, die wir hier nicht unerwähnt lassen möchten,
kursierenden Gerüchte bezüglich einer Ausgliederung der Profis und den Gerüchten um den Verkauf
der Namensrechte am Holstein-Stadion tat sich die Spitze des Eisbergs bei der
Mitgliederversammlung im Dezember 2024 hervor. Auf Nachfrage der „Interessengemeinschaft
Holstein-Stadion“, die sich mit großem Engagement für einen Stadionumbau unter Berücksichtigung
von Faninteressen (aller Fans!) einsetzt, wieso der Verein nicht kooperiere, man nicht ins Gespräch
käme und nicht auf dem Stadiongelände agieren dürfe, erwiderte die Vereinsführung, man könne
nicht jedem dahergelaufenen Verein Zutritt gewähren (werde sich aber zukünftig damit
auseinandersetzen).
Neben dem ständigen, kindischen und vor allem absichtlichen Stolpern über die Gendersternchen ließ
auch die Reaktion Schneekloths auf die stetig steigenden Ticketpreise aufhorchen: „Das
Premiumprodukt Bundesliga soll nicht unter Wert verkauft werden.“ Dass Schneekloth danach noch
glänzte, indem er ungewollt zur Schau stellte, dass er den Preis einer Vollzahler-Stehplatzkarte gar
nicht kennt, war selbstentlarvend. Bereits in der Bundesligasaison 2024/25 machte Holstein durch die
exorbitante Preiserhöhung der Tickets auf sich aufmerksam und sicherte sich die Goldmedaille im
Kampf um die teuerste Stehplatz-Dauerkarte noch vor Borussia Dortmund (!). Besonders bekamen
dies die Kinder zu spüren, die für eine Stehplatz-Dauerkarte 192€ zahlen mussten, während
beispielsweise eine vergleichbare Karte beim 1. FC Heidenheim 45€ kostete und beim FCSP aus
Hamburg 114€. Auch wenn die Ticketpreise nach dem Abstieg moderat angepasst wurden, bleibt
unsere KSV auch in der Saison 2025/26 Liga-Spitzenreiter, was den Preis für eine StehplatzDauerkarte für Vollzahlende betrifft. In diese Entwicklung reiht sich, wie einleitend erwähnt, auch
die Preiserhöhung der externen Cateringfirma Budenzauber ein, die ein weiteres Symptom des
gleichen Problems beziehungsweise der gleichen Entwicklung ist, wobei die Dreistigkeit und Gier
hierbei unübersehbar ist. Durch diese konstanten und teilweise exorbitanten Preiserhöhungen findet ein unbemerkter
Selektionsmechanismus statt. Fußballbegeisterte Kinder aus sozialen Brennpunkten, Studierende,
Auszubildende, sozioökonomisch schwächer gestellte Familien, normale Arbeitnehmende: alle
bekommen die finanzielle Belastung anders zu spüren. Sie kommen seltener zum Holstein-Stadion,
bleiben ganz fern, müssen Überstunden machen, sind gezwungen, zusätzlich Nebenjobs auf sich zu
nehmen oder sind gezwungen, auf andere Dinge zu verzichten oder einfach tiefer in die Tasche zu
greifen. Langfristig werden diese Menschen durch wohlhabendere Fußballkonsumierende ersetzt.
Andere Länder machen es vor. Die Verantwortlichen wissen dies und nehmen diese Entwicklung
billigend in Kauf und folgen ihrem Argument „Die Tickets werden trotzdem verkauft“ bis zum
bitteren Ende. Wir ducken uns nicht weg, sondern machen auf dieses Problem aufmerksam. Auch
wenn es im ersten Moment abstrakt erscheint, ist es wichtig, davor nicht die Augen zu verschließen,
da es früher oder später auch uns betrifft.
Kontextualisiert man diese Preiserhöhungen mit den sich zuspitzenden Verhältnissen in der
Gesellschaft, wird die Problematik und der Selektionsmechanismus deutlicher. 40 % der Gesellschaft
besitzen kein nennenswertes Vermögen, was diese Gruppe für Krisen besonders volatil macht. Fünf
Familien besitzen so viel wie die ärmere Hälfte der Gesamtbevölkerung, also 40 Mio. Menschen. Die
Polarisierung wird auch im Stadtbild deutlich. Die Wohlhabenden ziehen sich in separate Viertel
zurück, die Ärmeren werden an die Stadtränder gedrängt. Geprägt durch diverse Krisen kann der
Fußball für viele Menschen eine Konstante darstellen – Ablenkung, Spaß, Zuflucht. Ein
Stadionbesuch bei Holstein Kiel ist für viele Abenteuer, Erlebnis, Freundschaft, Zusammenhalt,
Gemeinschaft. Diese Preiserhöhungen schließen aus, sie diskriminieren und stehen in einem
eklatanten Widerspruch zu dem, was der Fußball ist: ein Sport für die Massen, ein Volkssport. Diese
Abhandlung soll als Weckruf dienen, jegliche Entwicklungen innerhalb und rund um den Verein zu
hinterfragen und dazu ermutigen, eine kritische Perspektive zu entwickeln. Denn auch vor dem
Hintergrund eines professionellen Umfelds und in wirtschaftlicher sowie sportlicher Konkurrenz
bleibt die Frage offen, ob man als Holstein Kiel, vor dem Hintergrund der inszenierten
Selbstdarstellung, dies aktiv auf die Spitze treiben sollte oder besser daran täte, die geheuchelten
Worte Wirklichkeit werden zu lassen und den Fans, die Schneekloths leere Worthülsen versuchen,
mit Leben zu füllen, endlich den dafür nötigen Raum zu geben, ohne ihnen länger Steine in den Weg
zu legen. Auch wenn es nur kleine Nuancen sind und wir nur kleine Dinge bewegen oder beeinflussen
können, sollten wir diese Möglichkeiten nutzen, um zu zeigen, dass wir merken, was passiert, dass
wir aufmerksam und unbequem sind und dass wir uns für unsere Interessen gerade machen.
Wer keinen Bock hat auf 200-Euro-Tickets, überteuertes Bier und Bratwurst, Werbedauerbeschallung durch die Lautsprecher, Werbebanden so weit das Auge reicht, überteuerte
Merchandise-Produkte, deplatzierte Halbzeitshows, weitere zig’ Abonnenets für dubiose Streamingdienste, rücksichtslose Anstoßzeiten, Influencer in Stadien, auf Vereine, die wie Red Bull
Leipzig als Werbeträger auftreten, oder auf Firmen, die den Fußball nur als Absatzmarkt betrachten,
sollte gewarnt sein und diesem Trend frühzeitig den Kampf ansagen.


FUSSBALL MUSS BEZAHLBAR SEIN — FÜR ALLE

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