Fandemo zum Nachlesen

Moin Holstein-Fans,
mit ein paar Tagen Abstand wollen wir noch einmal auf das vergangene Wochenende und insbesondere unsere Fandemo gegen das Konstrukt RB Leipzig und für den Erhalt von 50+1 zurückblicken. Zunächst gilt unser Dank allen Holstein-Fans, die unserem Aufruf gefolgt und zur Demo erschienen sind. Nachfolgend wollen wir euch auch noch einmal die drei Redebeiträge zum Nachlesen dokumentieren.

Dreiecksplatz

Redebeitrag #1

Moin Holstein-Fans, heute geht es gegen einen Gegner, der auf seine Art und Weise besonders ist. Ein Verein, welcher diesen Namen nicht verdient und so in seinem Bestehen nicht existieren dürfte. Ein Konstrukt, welches nun seit 2009 sein Unwesen im deutschen Profifußball treibt und es sich mittlerweile zumindest im Spektrum der unkritischen Fans gemütlich gemacht hat und als visionär und spannend gilt. Ein Auswuchs des modernen Fußballs, der für all das steht, was wir ablehnen wollen und wogegen wir kämpfen. Red Bull Leipzig ist eine Maschinerie. Höher, schneller, weiter. Ohne Rücksicht auf Verluste oder andere Meinungen. Geld, Erfolg und junge Talente. Koste es, was es wolle. Was steckt hinter dem Verein und warum spielt das Konstrukt rund um RBL eine Vorreiterrolle im modernen Fußball? Was sind Multi Club Ownerships? Hinter RasenBallsport steckt der Konzern Red Bull aus Österreich. Red Bull ist das drittwertvollste Getränkeunternehmen der Welt hinter Cola und Pepsi! Red Bull verkauft nicht nur Energy-Drinks, sondern hat noch verschiedene andere Standbeine zum Beispiel das professionelle Sponsoring von Sport! Dabei fällt auf: Oberste Priorität hat immer Red-Bull. Alle Vereine fallen durch ein gleiches Auftreten auf und das sportartenübergreifend. An erster Stelle steht immer die Vermarktung des Konzerns und der Produkte. Es geht also nicht primär um den sportlichen Erfolg oder grundsätzlich um die Entwicklung des Sportes, dieser ist nur Mittel zum Zweck! Jetzt mag man sich fragen wo liegt da der Unterschied zu normalen Sponsoren? Während Famila zum Beispiel mit Holstein einen Sponsoring-Vertrag eingegangen ist und beide, weiterhin unabhängige Institutionen, voneinander durch Geld und PR-Organisationen profitieren, verhält sich das bei RB-Vereinen anders. Diese gibt es einzig und allein aus PR-Zwecken! Es handelt sich um die modernste Litfaßsäule des Sports! RBL ist kein Fußballverein, sondern eine Dauerwerbesendung. Alles ist auf den roten Bullen ausgerichtet! Aber warum spreche ich immer von RB-Vereinen? Red Bull ist ein Vorzeige-Konzern, wenn es um sogenannte Multi Club Ownership Prinzipen geht. Das bedeutet, dass mehrere Vereine im Besitz desselben Konzerns oder derselben Privatpersonen sind. Diese Vereine profitieren natürlich maßgeblich voneinander und haben ohnehin einen Wettbewerbsvorteil. Der Austausch von Wissen, Personal und natürlich Spielern zu nicht marktgerechten Bedingungen ist einfach etwas anderes als zum Beispiel bei der KSV Holstein, die komplett auf sich allein gerichtet die gleichen Dinge leisten muss. Die Integrität des Sports und Wettbewerbs sind dadurch gefährdet, wenn andere Vereine wie zum Beispiel RBL ein hierarchisches Netzwerk hinter sich haben. Auch andere MCOs sind organisiert und das bekannteste Beispiel Manchester City als Flaggschiff der City Football Group, konnte sogar die Champions League gewinnen. Diese Modelle haben Mode gemacht und mittlerweile sind knapp 300 Vereine in solchen MCOs organisiert. Der Einfluss dieser Strukturen nimmt immer weiter zu und der Erfolg ist überwältigend. Red Bull und damit auch RBL sind solche Clubs, die auf kurz oder lang den Wettbewerb zerstören werden und den Fußball bedrohen! Lasst uns heute gemeinsam als kleines Rädchen im großen System Aufmerksamkeit auf dieses Thema lenken und unsere Wut auf die Straße nehmen! Der Fußball gehört uns! Der Fußball gehört uns Fans! Wir werden dafür kämpfen, dass dieser Sport nicht von reichen Männern und irgendwelchen Investment-Fonds zerstört wird! Vielen Dank!


Bernhard-Minetti-Platz

Redebeitrag #2

Heute demonstrieren wir nicht nur gegen das Produkt RBL, sondern auch für den Erhalt von 50+1. Kurzer Zeitsprung: Zunächst muss man sich einmal den historischen Kontext anschauen, in dem die Regel entstand. In den 1990er Jahren durchlief der deutsche Fußball eine Phase der wirtschaftlichen Umstrukturierung, die einerseits mit dem Aufkommen des Pay TVs und andererseits den Veränderungen im deutschen Vereinsrecht begleitet wurde. In dieser Zeit wurden die Fußballclubs zunehmend als Wirtschaftsunternehmen betrachtet und es gab Befürchtungen, dass externe Investoren – insbesondere aus dem Bereich der Wirtschaft – die Kontrolle über die Vereine übernehmen könnten. Geschichtlich betrachtet waren die deutschen Vereine gemeinnützige Organisationen, also eingetragene Vereine, und bis 1998 war jegliches Privateigentum an ihnen verboten. Im gleichen Jahr entstand dann die besagte 50+1 Regel. Die Regelung besagt, dass die Mehrheit der Stimmanteile an einer ausgegliederten Profiabteilung immer in den Händen des Muttervereins verbleiben muss. DFB und DFL legen in dabei ihren Satzungen sogar fest, dass ein Verein nur dann eine Lizenz für die beiden höchsten Spielklassen erhalten kann, wenn „50 Prozent zuzüglich mindestens eines weiteren Stimmanteils in der Versammlung der Anteilseigner“ der „Mutterverein“ behält. Der Verein muss in einer Aktien- oder Kapitalgesellschaft also immer mindestens 50 Prozent plus eine Stimme halten, um Herr im eigenen Hause zu bleiben. Damit soll der Einfluss von Investoren begrenzt und zur Ausgeglichenheit des sportlichen Wettbewerbs beigetragen werden. Dies bedeutet, dass die Mitglieder des Vereins die Mehrheit der Stimmrechte haben und somit entscheidenden Einfluss auf die strategischen Entscheidungen des Profibereichs nehmen können. Die Regel stärkt die Rolle der Vereinsmitglieder als Mitbestimmer und stellt sicher, dass wichtige Entscheidungen, wie die Wahl des Vorstands oder grundsätzliche strategische Ausrichtungen, in den Händen der Vereinsmitglieder liegen. Die Regel fördert die Partizipation der Mitglieder am Vereinsleben und ist stark mit dem Ziel verbunden, die Identität der Fußballvereine zu bewahren. Das beinhaltet die Wahrung von Traditionen, Vereinskultur und die enge Bindung zu den Fans. Fußballvereine sollen nicht nur als kommerzielle Unternehmen betrachtet werden, sondern auch als gesellschaftliche Institutionen, die eine Verantwortung gegenüber ihren Fans und der Öffentlichkeit haben. Die Regel soll die Wettbewerbsintegrität bewahren, indem sie sicherstellt, dass Vereine auf sportlicher Ebene miteinander konkurrieren und nicht durch externe finanzielle Einflüsse übermäßig begünstigt werden. Die Gefahr, dass angesichts riskanter Geschäfte eines fremden Investors der Verein in seinem Bestand gefährdet ist, sieht man im Mutterland des Fußballs sehr gut. In England sind nicht wenige Clubs von der Bildfläche verschwunden oder hoch verschuldet. Gleichzeitig überbieten sich die Klubs der Premier League in jedem Transferfenster aufs Neue hinsichtlich ihrer gezahlten Transfersummen. Doch trotz bestehender 50 + 1 Regel wächst auch in Deutschland der Einfluss von Investoren, die vornehmend wirtschaftliche Interessen verfolgen, stetig. Der Einstieg von Lars Windhorst bei Hertha BSC beispielsweise hat gezeigt, dass finanzielle Ressourcen allein keine Garantie für sportlichen Erfolg darstellen. Als die Hertha im Juni 2019 den bislang größten Investoren-Deal der Bundesliga-Historie offiziell bekannt gab, investierte Windhorst über seine Firma Tennor Holding rund 125 Millionen Euro in den Klub und erwarb dafür 36,3 Prozent der Anteile der ausgegliederten Kapitalgesellschaft. Insgesamt flossen über 375 Millionen Euro über die Tennor Group in die Klub-GmbH. Die Bilanz der Hertha sah in den Folgejahren jedoch erschreckend aus. Statt zu einem echten „Big City Club“ zu werden, glänzte die alte Dame mit Trainer-Fluktuation und einer ganzen Reihe teurer Transfer-Flops, die letztlich im gänzlichen Fiasko endeten: Dem Abstieg in die zweite Bundesliga. Erst mit dem Rückzug Windhorsts und der Wahl Kay Bernsteins zum Vereinspräsidenten kehrte etwas Ruhe im Hertha-Kosmos ein. Ausgerechnet Bernstein, ehemaliger Vorsänger der Ostkurve und Gründungsmitglied der Harlekins, schaffte es, den Verein wieder in die Spur zu bringen. Und das mit seiner ganz eigenen authentischen wie nahbaren Art, mit der er in seiner Präsidentschaft die Herthanerinnen und Herthaner tief berührt und ihre Verbundenheit zum Verein neu entflammt hat. Plötzlich glaubten die Mitglieder des Vereins wieder an den gemeinsamen Weg. Ein Zustand, der nur wenige Monate bzw. Jahre zuvor undenkbar schien, und der aufzeigt, welche Kraft der Fußball entwickeln kann, wenn er sich seiner Grundwerte bewusst macht und die Gemeinschaft der Menschen in den Mittelpunkt stellt und eben nicht die bedingungslose Ausschlachtung des vermeintlichen Premiumproduktes Bundesliga. Zur Wahrheit gehört aber natürlich auch, dass für die Hertha im Nachgang nicht unbedingt alles besser lief. Da der Verein nicht die nötigen wirtschaftlichen Ressourcen hatte, um die Windhorst-Anteile selbst zurückzukaufen mussten diese an einen weiteren Investor abgegeben werden, die amerikanische Investmentgesellschaft 777 Partners mit Sitz in Miami, die sich unter anderem auch in Genua und Lüttich in bestehende Profivereine eingekauft hat. Zum Prinzip des Multi-Club-Ownership wurde ja aber bereits ausführlich berichtet heute. Viel mehr noch als bei dem genannten Beispiel aus der Bundeshauptstadt, wo „lediglich“ 35% der Anteile veräußert wurden (was gemäß der Regel ja auch zulässig ist), gibt es jedoch ein Konstrukt, auf das wir auch noch mal genauer schauen müssen,  und das ist unser heutiger Gegner. Bereits seit dem Start des Projektes in Leipzig werden bestehende Regeln und Normen konsequent ignoriert oder dreist umgegangen. Der von Red Bull finanzierte „Verein“ RB Leipzig darf in Deutschland antreten, obwohl die DFB-Statuten „Änderungen, Ergänzungen oder Neugebung von Vereinsnamen und Vereinszeichen zum Zwecke der Werbung“ als unzulässig bezeichnen. Das Ganze wurde aushebelt mit der Namensgebung Rasenball und einem leicht modifizierten Logo. Der Grundcharakter des Markenlogos von Red Bull bleibt jedoch bestehen und die Ähnlichkeit ist natürlich nicht von der Hand zu weisen. Doch viel eindeutiger als RB Leipzig kann man insgesamt auch kaum gegen den Geist der 50+1-Regel verstoßen. Im Gegensatz zu allen anderen deutschen Fußballvereinen räumt RB Leipzig seinen Anhängern keine offizielle Möglichkeit ein, stimmberechtigtes Mitglied zu werden. Nach Angaben des damaligen Geschäftsführers Ulrich Wolter strebe RB Leipzig nicht die hohen Mitgliederzahlen anderer Klubs an, da in seinen Augen Vereine, in denen Fans partizipative Strukturen geschaffen haben, nicht im Sinne des deutschen Fußballs seien, und man wolle sich bei RB solchen Zuständen absolut entziehen. So hatte der Verein in den ersten fünf Jahren seiner Vereinsgeschichte weniger als zehn ordentliche Mitglieder. Erst im Rahmen der Lizenzvergabe für die 2. Bundesliga erteilte die DFL dem Konstrukt mehrere Auflagen, wozu unter anderem die Neustrukturierung der Führungsebene gehörte. Im Zuge dessen eröffnete RB Leipzig auch erstmals die Möglichkeit, offizielles Fördermitglied zu werden. Das gleicht aber keiner regulären Mitgliedschaft wie wir sie z.B. aus unserem eingetragenen Verein Holstein Kiel kennen, da die Fördermitglieder lediglich Informationsrechte, sowie bestimmte Privilegien wie Karten-Vorkaufsrechte, aber kein Stimmrecht auf Mitgliederversammlungen erhalten. Im März 2024 (letzter Stand) hatte der Verein insgesamt knapp über 1.100 Mitglieder, wovon allerdings nur 23 über eine Stimmberechtigung verfügen. Die Identität einiger Mitglieder von RB Leipzig ist nicht bekannt, aber es wird vermutet, dass sie alle Verbindungen zum Konzern haben, so dass im Grunde Red Bull doch den Verein stellvertretend kontrollieren kann. Echte Partizipation sieht natürlich anders aus. Ganz im Gegenteil wird so die 50 + 1 Regel aktiv ausgehebelt und das unter den Augen der Öffentlichkeit und ohne entsprechende Reaktion der Verbände. Etwas Bewegung kam in die Debatte um die 50 + 1 Regel zuletzt im Sommer 2024 als das Bundeskartellamt die Regel einer Prüfung unterzog. Das Kartellamt nahm die Anbindung der ausgegliederten Kapitalgesellschaften an die Vereine in den Fokus und wies auf Defizite hin. Dabei rückte nun auch ein Klub in den Fokus, der bis dahin offiziell in dem Verfahren eigentlich keine Rolle gespielt hat: RB Leipzig. Dort ist der Zugang zum Verein für Mitglieder ja wie erwähnt äußert beschränkt. Dem Kartellamt dürfte es in erster Linie um die faktische Beherrschung gehen. Es muss schließlich jedem klar sein, dass die in eine GmbH ausgegliederte Profiabteilung bei RB nicht von Mitgliedern bzw. gewählten Vertretern des Muttervereins kontrolliert wird, sondern von einem kleinen Personenkreis, der vom verstorbenen Firmengründer Dietrich Mateschitz inthronisiert wurde. Es ist gut und wichtig, dass sich das Bundeskartellamt neben den Ausnahmenfällen aus Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim jetzt endlich auch mit der Anwendungspraxis der 50+1-Regel beschäftigt und die Frage stellt, wie 50+1 in der Bundesliga tatsächlich gelebt wird. In der aktuellen Situation, in der DFB und DFL die Umgehung der Regel durch RB stillschweigend akzeptieren, verkommt 50+1 andernfalls zum wertlosen Papiertiger.   Wir können uns angesichts solcher Negativbeispiele aus der Liga, in der wir seit Sommer zuhause sind, nur umso mehr glücklich schätzen als Fans eines Vereins, der weiterhin als eingetragener Verein agiert, nur eingeschränkt mit solchen Auswüchsen zu tun zu haben. Die Möglichkeit echter Mitsprache ist in unserem e.V. möglich. Das haben wir zuletzt am Montag auf der Mitgliederversammlung gesehen. Und das ist der große Unterschied zwischen uns und RB! Und auch auf der vorherigen MV im November 2023 wurde mit dem Bekenntnis zu 50+1 in der Satzung unseres Vereins ein wichtiger und aus fanpolitischer Sicht großer Schritt getan, um die Regel nicht nur im Bewusstsein der Menschen, sondern auch konkret in der geltenden Grundordnung unseres Vereins niederzuschreiben. Ein Erfolg, den man nicht hoch genug einschätzen kann. Bei diesen Beispielen von gelebter Partizipation denke ich häufig an einen Slogan, der auch hier auf einem der Plakate erscheint. Block 50+1 – Die Basis regiert. Die Analogie der drei Ziffern passt hier wie die Faust aufs Auge. Denn wir Fans sind der Verein! Dabei kann man aber auch noch mal auf den Begriff Vereins als solches eingehen. Denn eingetragene Vereine sind die Grundlage des gesellschaftlichen Miteinanders in Deutschland. Sie sind Basis für die Vermittlung von Werten, einem geregelten sozialen Miteinander und vor allem sind sie Orte der basisdemokratischen Teilhabe. Vereine erschaffen Räume, wo sich Menschen unabhängig von Altersklassen, sozialer Schichtzugehörigkeit und Hierarchieebenen begegnen und ihre Interessen miteinander teilen können. Sie sind womöglich der letzte echte Begegnungsort in einer Gesellschaft, in der auch die Bedeutung des Ehrenamtes (leider) abnimmt. Während es im Amateursport allerdings Voraussetzung ist Mitglied in einem Verein zu sein, um am Spielbetrieb teilzunehmen, wird dieses System in der Maschinerie Profifußball zum Gegensatz verkehrt. Die Spitze des internationalen – aber auch des deutschen – Fußballs verkommt zu einem Wettbewerb von Kapitalgesellschaften. Die letzte Festung zur Wahrung des gemeinschaftlichen Gedankens beim Sport bildet im Fußball die 50 + 1 Regel. 50 + 1 muss aus unserer Sicht daher zwingend erhalten bleiben und vielmehr noch konsequent umgesetzt werden. Die 50+1-Regel ist die Versicherung dafür, dass die Bundesliga nicht zu einem Spielball der Investoren wird, und sie ist die Garantie für die Akzeptanz unseres Sports in der Gesellschaft. Und das ist mehr wert als jeder noch so potente Investor.  Aber dafür bedarf es der Bedingung, dass DFB und DFL die Regel konsequent und gegen jeden, auch gegen die Großen, gleich durchsetzen. Und das grade trotz der ökomischen Macht einer der wertvollsten Marken unserer heutigen kapitalistischen Welt, um die Existenz einer Mannschaft in der Bundesliga, deren einziger Zweck dem Marketing eines global agierenden Megakonzerns dient, in Frage stellen zu können. 50+1 erhalten, 50+1 konsequent durchsetzen! Vielen Dank!


Holstein Stadion

Redebeitrag #3

Moin Holstein-Fans, auch die Interessengemeinschaft Holstein-Stadion möchte heute ihren Senf dazugeben. Ein wichtiges Thema hat uns die letzten Tage und Wochen bewegt. Vor kurzer Zeit konnten wir, die Mitglieder unserer KSV Holstein, einen der größten Erfolge der jüngeren Vereinsgeschichte bejubeln. Und ich rede nicht vom Aufstieg, der wahrlich der größte Erfolg ist, den wir erleben durften. Nein, es geht darum, dass die Mitgliederversammlung deutlich beschlossen hat, dass der Präsident von Holstein Kiel durch die Mitgliedschaft gewählt wird. Wir Mitglieder haben mehr Macht und Verantwortung bekommen. Wir können über die Zukunft unseres Vereines mitentscheiden. Kein Funktionär, kein Präsidium kann uns daran hindern oder verbieten unsere Rechte als Mitglieder wahrzunehmen. Wir sind ein eingetragener Verein ohne ausgegliederte Profiabteilung, eine Besonderheit im deutschen Profifußball, die uns eine gewisse Partizipation ermöglicht. Wenn wir wollen, haben wir die Fäden in der Hand. Die Bundesligasaison ist aufregend und aufwühlend. Gestandene Traditionsvereine wie Eintracht Frankfurt, Borussia Mönchengladbach oder Werder Bremen erwarten den ersten Bundesligisten aus Schleswig-Holstein in ihren Stadien. Doch es gibt auch eine Menge Negativbeispiele im Oberhaus. Die TSG Hoffenheim, der VfL Wolfsburg oder Bayer Leverkusen. Sie alle haben eines gemeinsam: Mehr als fragwürdige Vereinsstrukturen. Doch das größte Krebsgeschwür im deutschen Profifußball ist Red Bull Leipzig.  Bei Red Bull gibt es keine Mitbestimmung. Red Bull hasst Mitbestimmung und freie Meinungsäußerung. Mitbestimmung im Verein gibt es nur für ein paar wenige ausgewählte Mitglieder. Stand März 2024 sind immerhin 23 der 1.100 Mitglieder stimmberechtigt. Red Bull sucht aus, wer mitbestimmen darf und wer nicht. Dazwischenreden ist nicht erwünscht. Die restlichen Mitglieder sind Fördermitglieder, die für einen gewissen Obolus extra Rechte bekommen. Das Recht auf Mitbestimmung zählt nicht dazu. Konsumiere und sei bequem. Lass das Geld da und kritisiere nicht. Schau dir die laufende Werbeshow an. Die Strukturen bei RB wurden extra so angelegt. Der damalige Geschäftsführer von Red Bull Leipzig Ulrich Wolter untermauerte dies in der Sport Bild: Vereine in denen Fans aus der Ultra-Szene Strukturen geschaffen haben seien nicht im Sinne des deutschen Fußballs und man wolle sich solchen Zuständen entziehen. Partizipation Fehlanzeige. Das Konstrukt Red Bull Leipzig ist Gift für unseren Volkssport Fußball. Selbst das Bundeskartellamt kritisierte in einem Brief an die DFL das Konstrukt Red Bull Leipzig und kündigte eine Untersuchung der Anwendepraxis von 50+1 an. Eine Verbindung zwischen Sportverein und Gesellschaft gibt es nicht, denn der Verein steht der Gesellschaft nicht offen. Er dient lediglich zu Marketingzwecken und der Profitmaximierung eines Konzerns, der Energy-Drinks verkauft. Red Bull Leipzig verkörpert den Turbokapitalismus und es gibt nichts Gutes an diesem Konstrukt. Heute heißt es also: Holstein Kiel gegen Red Bull Leipzig. Traditionsverein gegen GmbH. Wir sind und waren gegen die Leipziger immer der Underdog. Schon zu Regionalligazeiten schraubte sich der Leipziger Etat in die Höhe. Der Rest der Geschichte sollte jedem bekannt sein. Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer. Auch mit einem eingetragenen Verein, wie wir ihn haben, ist Profifußball möglich. Investoren sind keine Notwendigkeit, damit Profifußball gelingen kann. Und doch möchte ich die Chance nutzen, um darauf hinzuweisen, dass auch bei Holstein der eine oder andere Sponsor mit großem Einfluss vorhanden ist. Doch an der Mitgliedschaft wird auch dieser Sponsor nicht vorbeikommen. Wir Fans sind der Verein und machen den Unterschied! Eine gewachsene Fankultur, wie sie es bei uns oder an anderen Standorten gibt, wird es bei Red Bull Leipzig niemals geben. Einen Fanmarsch, wie wir ihn vorm Düsseldorf-Spiel erlebt haben, wird es bei Red Bull niemals geben. Eine emotionale Ansage, wie wir sie von Kirsche vor dem Heidenheim Spiel erlebt haben, wird es bei Red Bull niemals geben. Weil wir keine stummen Konsumenten sind. Wir streiten, leiden und freuen uns mit dem Verein. Wir bleiben nicht weg, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt, sondern gehen mit unserem Verein durch dick und dünn. Wir können etwas ändern, wenn es uns nicht passt. Einen cholerischen und unprofessionellen Präsidenten vor die Tür setzen, wenn er es sich mit uns verscherzt. All das kann die Kundschaft von Red Bull nicht. Sie können konsumieren. Wir sind der Gegenpol zu diesem autoritären Konstrukt. Wir leben und lieben unseren Volkssport. Und wir werden ihn bis zum Ende gegen die Auswüchse des modernen Fußballs verteidigen. Mit uns ist ein besserer Fußball möglich! Und deshalb lasst uns heute zusammen die drei Punkte holen! 

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