Offener Brief: Nein zum DFL-Investoren-Einstieg!

Sehr geehrtes Präsidium, sehr geehrter Herr Schneekloth,
im Heimspiel am vergangenen Freitag gegen den FC St. Pauli zeigten wir in der ersten Halbzeit ein Spruchband mit dem folgenden Wortlaut: „@Schneekloth: Mittwoch gegen den Anteilsverkauf stimmen! Nein zu Investoren in der DFL!“. Auch wenn die dahinterstehende Botschaft eindeutig ist, wollen wir uns zur betreffenden Thematik hiermit ausführlicher erklären.

Am 24. Mai entscheidet die DFL-Mitgliederversammlung darüber, ob und in welcher Form der Prozess zum Einstieg eines Investors in eine zu gründende Tochtergesellschaft der DFL zur Vermarktung der Bundesliga intensiviert wird. Eine etwaige Öffnung gegenüber Investoren seitens der DFL stellt dabei nicht nur eine richtungsweisende, sondern vor allem eine irreparable Entscheidung für die Zukunft des deutschen Profifußballs dar. Hat ein potenzieller Investor erstmal einen Fuß in der Tür zur Bundesliga, wird er diesen Platz nicht mehr räumen. Wir bitten Sie daher zu bedenken, dass die Entscheidung, die Sie am Mittwoch treffen werden, ganze Generationen von Spielern, Funktionären und insbesondere Fans in ihrer Beziehung zum Fußballgeschäft nachhaltig beeinflussen wird.

Mittlerweile ist dank Bekanntgabe der wesentlichen Eckpunkte eines möglichen Engagements (Geplante Beteiligung von 12,5% über 20 Jahre, Ausschüttung auf Vereine entsprechend der TV-Geld-Verteilung) absehbar, dass die Verteilung des zu erlösenden Geldes massiv in den nationalen Wettbewerb eingreifen wird und die vorherrschenden monetären Machtverhältnisse langfristig zementiert. Erneut profitieren in erster Linie die Vereine, die bereits über herausragende finanzielle Ressourcen verfügen. Die Schere in und zwischen den beiden Bundesligen wird noch größer. Die Durchlässigkeit zu Ligen außerhalb des Verantwortungsbereiches der DFL nimmt ab. Zudem bleibt festzuhalten, dass mehr Geld im Fußballgeschäft noch nie zu einem ausgeglicheneren Wettbewerb oder mehr Chancengleichheit geführt hat und mehr Vermarktung dazu führt, dass die Berücksichtigung von Faninteressen auf der Strecke bleibt.

Der mögliche Investoren-Einstieg bei der DFL wird von seinen Befürwortern häufig mit dem Sicherstellen internationaler Konkurrenzfähigkeit begründet. Regelmäßige Teilnehmer in internationalen Wettbewerben sind allerdings nur eine Handvoll Klubs, zu deren Gunsten, aufgrund der ohnehin schon fragwürdigen Verteilung der TV-Gelder, die Chancengleichheit im nationalen Wettbewerb zwischen allen 36 Vereinen der ersten beiden Ligen aufs Spiel gesetzt wird. Die KSV Holstein ist inzwischen etablierter Zweitligist und hat sogar schon zwei Mal ans Tor zur Bundesliga geklopft, ist vom internationalen Geschäft aber meilenweit entfernt. Eine Befürwortung des Investoren-Einstiegs würde daher in unseren Augen den Interessen der KSV Holstein widersprechen und lediglich den Topklubs der Bundesliga zugutekommen.

Wir fordern die Vereinsführung der Kieler Sportvereinigung Holstein von 1900 e.V. daher auf, am Mittwoch sowie bei allen möglichen zukünftigen Abstimmungen, welche die Vermarktung der Bundesliga über einen Investor, ermöglichen sollen, mit Nein zu stimmen und Transparenz über das Abstimmungsverhalten zu allen aktuellen und zukünftigen Entscheidungen bezüglich einer Öffnung der DFL gegenüber Investoren zu gewährleisten.

Compagno Ultras

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